Wie Sie unnötige Zuzahlungen bei Arzneimitteln vermeiden

Die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen zahlen eine Zuzahlung für verordnete Medikamente. Dies kann jedoch auf ein Minimum reduziert werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gesetzliche Zuzahlungen sind nur bis zur individuellen Belastungsgrenze fällig. Ist dies erreicht, kann man sich befreien lassen.
  • Auf Medikamente, die mehr kosten, als die Krankenkasse erstattet, können Sie in der Regel verzichten.
  • Mehrere Tausend Medikamente sind zudem so günstig, dass GKV-Patienten keinen Eigenbeitrag zahlen müssen.

Gesetzliche Zuzahlungen

Für verschreibungspflichtige Medikamente stellt der Arzt ein Rezept aus, das die Patienten in der Apotheke einreichen. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen, jedoch müssen die Versicherten einen Teil der Kosten in Form von gesetzlichen Zuzahlungen übernehmen. Die Selbstbeteiligung beträgt zehn Prozent des Medikamentenpreises, mindestens fünf und maximal zehn Euro. Wenn das Medikament weniger als fünf Euro kostet, müssen Sie die Kosten alleine tragen. Die Zuzahlung gilt pro Medikament und nicht pro Rezept.

Beispiele:

  • Wenn ein Medikament 10 Euro kostet, beträgt Ihr Anteil 5 Euro.
  • Wenn ein Medikament 75 Euro kostet, beträgt Ihr Anteil 7,50 Euro.
  • Wenn ein Medikament 400 Euro kostet, beträgt Ihr Anteil 10 Euro.
  • Wenn ein Medikament 4,75 Euro kostet, beträgt Ihr Anteil 4,75 Euro.
  • Wenn die Salbe 7 Euro kostet, beträgt Ihr Anteil 5 Euro.

Wie viel Versicherte für verschreibungspflichtige Medikamente in Euro und Cent zahlen müssen, hängt vom Preis des Medikaments in der Apotheke ab. Verschreibt der Arzt ein günstiges Medikament, kann aufgrund der Zuzahlungsregelung unter Umständen trotzdem gespart werden. Wenn in einer Gruppe von Medikamenten mit identischem Wirkstoff beispielsweise das teuerste 100 Euro oder mehr kostet, das günstigste 50 Euro oder weniger, können Patienten fünf Euro pro Medikament an Zuzahlung sparen.

Das Ausmaß der Zuzahlungen für Patienten Es ist jedoch begrenzt:

  • Überschreite die Kosten zwei Prozent des Jahreseinkommens, können Sie für den Rest des Jahres befreit werden.
  • Für chronisch Kranke gilt eine reduzierte Zuzahlungsgrenze von ein Prozent des Umsatzes.

Festpreisregelung und Zusatzkosten

Die gesetzlichen Krankenkassen haben für zahlreiche Medikamente sogenannte Festbeträge festgelegt. Für diese Medikamente zahlen die Krankenkassen nicht den von den Arzneimittelherstellern festgelegten Preis, sondern nur den Festbetrag, der für eine Gruppe vergleichbarer Medikamente gilt (zB Bluthochdruckmittel, Cholesterinsenker, Herz-Kreislauf-Medikamente).

Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, deren Preis über dem Festbetrag der Krankenkasse liegt, müssen Sie die Differenz zwischen Festbetrag und Verkaufspreis bezahlen zusätzlich zur gesetzlichen Zuzahlung von fünf bis zehn Euro pro Packung aus eigener Tasche! Die Differenz wird auch den zuzahlungsfreien Patienten in Rechnung gestellt.

Allerdings müssen Ärzte die Patienten über die Mehrkosten informieren, wenn der Preis des verschriebenen Arzneimittels höher ist als der Festbetrag. Wenn der Arzt ein teures Medikament verschreibt, fragen Sie nach vergleichbaren, günstigeren Medikamenten und stellen Sie sicher, dass Ihnen Medikamente möglichst ohne Mehrkosten verschrieben werden.

Der GKV‑Spitzenverband hat eine Arzneimittelliste mit Festbeträgen und ggf. den selbst zu zahlenden Differenzbeträgen herausgegeben, in der Sie mögliche Zusatzkosten (siehe Differenz) finden: https://www.dimdi.de/dynamic/.downloads/arzneimittel/festbetraege/2020/festbetraege-20201201.pdf

Befreiungen von Zuzahlungen

Der GKV‑Spitzenverband kann besonders preiswerte Medikamente von der gesetzlichen Zuzahlung pro Packung befreien. Dafür muss das Medikament mindestens 30 Prozent günstiger sein als der vereinbarte Festbetrag. Fragen Sie nach zuzahlungsfreien Medikamenten!

Eine tabellarische Übersicht zu zuzahlungsfreier Arzneimittel steht auf der Website des GKV‑Spitzenverbandes zum kostenlosen Download bereit:

Die Festbeträge werden in der Regel mindestens einmal jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Dadurch kann es vorkommen, dass der bisher von den Krankenkassen erstattete Betrag gekürzt wird, ein oder mehrere Hersteller den Verkaufspreis jedoch nicht mindern. In diesen Fällen können dem Patienten zusätzliche Kosten entstehen und die Befreiung von der Zuzahlung kann auch entfallen.

Auch Krankenkassen schließen Rabattverträge mit Arzneimittelherstellern ab. Sie können auf die Zuzahlungen Ihrer Versicherten bei rabattierten Arzneimitteln ganz oder teilweise verzichten, müssen dies aber nicht. Wechselt die Krankenkasse den Vertragspartner, können bisher zuzahlungsfreie Medikamente wieder verrechnet werden. Die Krankenkassen geben Auskunft, ob Rabattverträge mit Arzneimittelherstellern bestehen. Im Einzelfall können Sie dann Medikamente ohne Zuzahlung erhalten, auch wenn diese den Festbetrag überschreiten. Wenn Sie dauerhaft auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, kann dies ein Kriterium bei der Wahl Ihrer Krankenkasse sein.

Ob in absehbarer Zeit neue Verhandlungen über Rabattverträge zwischen der Pharmaindustrie und Ihrer Krankenkasse geplant sind, können Sie vorab mit Ihrer Krankenkasse vereinbaren.

Fragen Sie am besten in der Apotheke nach, ob Sie im Rahmen der Rabattvereinbarung ein Medikament zuzahlungsfrei erhalten können.

Kinder sind von der Zuzahlungspflicht befreit

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind grundsätzlich von allen Arzneimittelzuschlägen befreit. Darüber hinaus erhalten Kinder unter 12 Jahren und entwicklungsgestörte Jugendliche bis 18 Jahre rezeptfreie Medikamente kostenlos, in der Regel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung.

Versandhandel

In Deutschland braucht man verschreibungspflichtige Medikamente zum Einzelpreis wird geliefert. Aus diesem Grund dürfen Apotheken keine Prämien für eingereichte Rezepte gewähren.

Nach dem Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) dürfen EU-Versandapotheken gesetzlich Versicherten keine Rabatte mehr auf verschreibungspflichtige Medikamente gewähren. Privat Versicherte sind von dieser Regelung jedoch nicht betroffen: Versandapotheken außerhalb der EU dürfen Privatversicherten weiterhin Rabatte auf Privatrezepte gewähren.

Bei rezeptfreien Arzneimitteln wie Hustenlösern oder Schmerzmitteln im Rahmen der Selbstmedikation sind für gesetzlich und privat Versicherte weiterhin Preiseinsparungen im Versandhandel möglich.

Nachzahlungen sind steuerlich absetzbar

Wenn Sie Medikamente bezahlen müssen, bewahren Sie die Quittungen für Ihre Steuererklärung auf! Sie können die Belege als außerordentliche Belastung verrechnen.

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