Rabattverträge bei Arzneimitteln

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen mit pharmazeutischen Unternehmen Preisnachlässe auf Arzneimittel vereinbaren. Wir erklären, was dahinter steckt und welche Auswirkungen die Verträge für Patienten haben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Grund ist die sogenannte aut-idem-Regel: Der Arzt gibt nur den Wirkstoff vor, der Apotheker wählt ein günstiges Präparat nach dem Preis aus.
  • Ein weiterer Grund sind die Rabattverträge: Krankenkassen können mit Arzneimittelherstellern Rabatte für bestimmte Medikamente aushandeln.
  • Es gibt jedoch Ausnahmen: Ärzte können den Medikamententausch verhindern und Patienten können auch auf ein bestimmtes Produkt bestehen, wenn sie die Mehrkosten selbst tragen.

Die aut-idem-Regel

Die Grundlage für die Austausch von Medikamenten mit gleichen Wirkstoffen durch den Apotheker stellt die sogenannte aut-idem-Regel (lateinisch: „oder gleich“) dar. Darin heißt es: Hat der Arzt auf dem Rezept kein bestimmtes Medikament vermerkt, sondern nur Wirkstoff, Dosierung und Darreichungsform, muss die Apotheke eines der vier günstigsten Medikamente gleicher Stärke und Zusammensetzung des Wirkstoffs abgeben (aber nicht teurer als das verschriebene Medikament).

Gleiches gilt, wenn der Arzt ein spezielles Präparat aufschreibt – aber das Feld aut-idem in der linken Spalte auf dem Rezept leer lässt. In medizinisch begründeten Ausnahmefällen kann der Arzt auf ein ganz bestimmtes Präparat bestehen und den Umtausch in der Apotheke verhindern. Dazu muss er das aut-idem-Feld auf dem Rezept durchstreichen. Bei einigen Medikamenten ist ein Wechsel von vornherein ausgeschlossen. Welche das sind, steht im Ausschließungsliste für Vertretungen.

Rabattverträge

Krankenkassen dürfen mit Pharmaunternehmen Rabatte auf Arzneimittel vereinbaren. Verschreibt der Arzt dann genau das Medikament, für das die Krankenkasse mit dem Arzneimittelhersteller einen Preisnachlass ausgehandelt hat, übergibt der Apotheker dem Versicherten genau dieses Präparat. Andernfalls wird das verordnete Medikament gegen ein Präparat mit dem gleichen Wirkstoff getauscht, für das die Krankenkasse einen Vertrag abgeschlossen hat.

Es steht jeder Krankenkasse frei, mit wem sie Rabatte vereinbaren möchte. Aus diesem Grund kann jemand mit der gleichen Indikation – wie Bluthochdruck oder Diabetes – ein anderes Medikament erhalten als ein Bekannter, der bei einer anderen Krankenkasse versichert ist. Es kommt auch immer wieder vor, dass das bisher verordnete und wirksame Mittel plötzlich getauscht wird – weil die Krankenkasse nun von einem anderen Unternehmen einen Preisnachlass erhält.

Kostenerstattung als Alternative

In der Apotheke können gesetzlich Krankenversicherte auch außerhalb der Rabattvereinbarung ein Präparat bekommen – wenn sie die Mehrkosten selbst bezahlen. Dazu müssen sie zunächst den vollen Preis zahlen; dann erstattet die Krankenkasse einen Teil der Kosten – jedoch nur bis zur Höhe des Rabatts. Der Versicherte hat auch die Verwaltungskosten zu tragen.

Da es dennoch möglich ist, auf Kosten der Krankenkasse ein anderes, kostengünstiges Medikament abzugeben, wenn der Arzt dies für medizinisch notwendig hält, raten wir von einer Kostenerstattung ab. Wer sich dennoch für diese Möglichkeit entscheidet, sollte sich unbedingt vorher bei seiner Krankenkasse über die privat zu tragenden Zusatzkosten informieren.

Die Vor- und Nachteile des Drogentauschs

Der Medikamententausch dient der Kosteneinsparung. Oft sind es billigere Nachahmungen – sogenannte Generika – aber auch Rabatte auf Originale. Dadurch werden die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung so gering wie möglich gehalten. Generika enthalten übrigens die gleichen Wirkstoffe wie die Originalarzneimittel und müssen hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit den arzneimittelrechtlichen Anforderungen genügen. Allerdings werden die Fonds unter einem anderen Namen und in einer anderen Verpackung angeboten. Sie können in Form und Farbe vom Originalpräparat abweichen. Dies gilt auch für die bei der Herstellung verwendeten Konservierungs- und Aromastoffe. Wer bereits weiß, dass er auf bestimmte Stoffe allergisch ist, sollte bei der Verschreibung eines neuen Medikaments immer seinen Arzt darüber informieren.

Patienten, die ein neues Medikament nicht vertragen, sollten ihren Arzt aufsuchen. Stellt der Arzt eine Unverträglichkeit fest, kann er ein anderes Medikament wählen und den Ersatz durch einen Vermerk auf dem Rezept ausschließen.

Rabattverträge haben zudem den Vorteil, dass die Krankenkassen ihren Versicherten die Zuzahlungen für die rabattierten Medikamente erlassen können. Da es diesbezüglich jedoch derzeit keine einheitlichen Vorgaben gibt, kann jede Krankenkasse die Zuzahlungen nach eigenem Ermessen halbieren oder streichen.

Auch der Umstieg von Rabattverträgen auf neue Medikamente kann zu Problemen führen – etwa wegen des logistischen Aufwands bei der Belieferung von Apotheken. Es muss jedoch sichergestellt sein, dass alle Patienten immer adäquat versorgt werden können. Ist beispielsweise ein Hersteller nachweislich nicht in der Lage, ein Rabattprodukt zu liefern, gilt die normale Aut-idem-Regelung. Auch wenn ein Patient einen akuten Bedarf hat – zum Beispiel im Apothekendienst – kann der Patient ein anderes Medikament bekommen, wenn das Präparat mit dem vereinbarten Rabatt nicht verfügbar ist.

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