Lebensmittelverschwendung: Wie wird die nationale Strategie umgesetzt?

Im März 2012 verkündete das BMELV „Zu gut für die Tonne!“ gestartet. Damit rückte das Problem der Lebensmittelverschwendung stärker in den Vordergrund. das Nationale Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung wurde im Februar 2019 von der Bundesregierung beschlossen. Doch wie geht es weiter?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Akteure und Experten aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Privathaushalten diskutieren und entwickeln Maßnahmen und Lösungen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung.
  • Demonstrationsprojekte und Modellunternehmen erproben Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung und prüfen deren Wirksamkeit.
  • Freiwilligkeit, Appelle und Unverbindlichkeit werden nach Meinung der Verbraucherverbände nicht ausreichen, um die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren.

Ziele der nationalen Strategie

Unter der Ägide des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fünf sogenannte Dialogforen Gegründet. Für die Bereiche Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Groß- und Einzelhandel, Außer-Haus-Gastronomie und private Haushalte. In den Dialogforen treffen sich Akteure und Experten der jeweiligen Branchen aus Unternehmen, Verbänden, Politik und Nichtregierungsorganisationen. Zusammen sollten wir Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung entwickelt, getestet und implementiert. Dazu werden in jeder Branche Zielvereinbarungen getroffen. Die Unterzeichner sollen dann vereinbaren, die Lebensmittelverschwendung bis 2025 um 30 Prozent und bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren.

Dialogforen auf einen Blick

In den folgenden Dialogforen sollen Maßnahmen erarbeitet werden.

Landwirtschaft und Verarbeitung

Die beiden Dialogforen zur Primärproduktion und Verarbeitung von Lebensmitteln starteten 2021. Beide Projekte werden von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) durchgeführt und vom Thünen-Institut zur Verbesserung der Datenlage unterstützt. In beiden Dialogforen werden „Runde Tische“ für Produktgruppen und mit den beteiligten Unternehmen eingerichtet Maßnahmen gegen Verschwendung in Demonstrationsunternehmen identifiziert, getestet und bewertet und Zielvereinbarungen abgeschlossen.

Groß-und Einzelhandel

Im September 2019 startete das Dialogforum für Groß- und Einzelhändler. Im Januar 2021 hatten 21 Groß- und Einzelhändler die Teilnahmeerklärung am Dialogforum unterzeichnet – weitere Firmen sollen gewonnen werden. Zunächst geht es darum, die Datenlage zu verbessern, bestehende Datenquellen zu ergänzen und die Datenerhebung zu Lebensmittelabfällen im Einzelhandel weiterentwickelt werden. Das Dialogforum wird vom Collaborating Center on Sustainable Consumption and Production (CSCP) in Kooperation mit dem Thünen-Institut durchgeführt.

Außer-Haus-Verpflegung

Im Dialogforum, a durchschnittlich 25 Prozent weniger Lebensmittelverschwendung Kann erreicht werden. Das vom WWF Deutschland koordinierte Dialogforum hat nach zweijähriger Arbeit eine Zielvereinbarung bestanden. Von der Vereinbarung sind viele Unternehmen der Branche betroffen – von Betriebskantinen und Hotels bis hin zu Krankenhäusern, Altersheimen und Schulen.

Private Haushalte

Im Dialogforum Privathaushalte werden erfolgversprechende Ansätze und Maßnahmen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung identifiziert, in Kooperation mit bereits aktiven Akteuren erprobt und mit Hilfe einer im Dialogforum entwickelten einheitlichen Methode auf ihre Wirksamkeit überprüft. Das Dialogforum Private Haushalte startete im Oktober 2020 und wird vom Ecologic Institut in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin und Slow Food Deutschland durchgeführt.

Noch mehr Körper!

Neben den Dialogforen gibt es weitere Gremien, die sektorübergreifende Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung entwickeln.

Das Nationale Dialogforum berät die Vertreter der Dialogforen und gibt Impulse für weitere Reduktionsmöglichkeiten. Der Bund-Länder-Ausschuss übernimmt die Kontrolle über die zuständigen Ministerien und Bundesländer hinaus und begleitet die Umsetzung der Strategie- und Aktionswochen. das Arbeitsgruppe AG Indikator koordiniert die Berichterstattung zu Lebensmittelverschwendung für die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, für die Vereinten Nationen und die EU-Kommission. Hier arbeiten Vertreter des BMEL, des Thünen-Instituts, des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes und des Statistischen Bundesamtes zusammen.

Das ist unsere Bilanz

Lobenswert ist, dass sich möglichst viele Akteure an den Dialogforen beteiligen, aber auch in Deutschland vergehen wieder Jahre ohne spürbare Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Nach gut zehn Jahren Diskussion um eine erfolgreiche Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung in Deutschland setzt das BMEL weiterhin auf Freiwilligkeit, Appelle und viel Unverbindlichkeit. Aus Sicht der Verbraucherzentralen sind die ambitionierten Pläne so nicht zu verwirklichen; stattdessen sind gesetzliche Ziele und verbindliche Vorgaben notwendig. Dann können die in den Dialogforen unterzeichneten Vereinbarungen wirksam werden.

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