Das Verwirrspiel mit der Region

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Kennzeichnung von Produkten als „regional“ ist oft ungenau und im schlimmsten Fall verwirrend
  • „Region“ ist nicht ausreichend definiert.
  • Wir fordern bessere gesetzliche Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene. Genau dem widerspricht der aktuelle Rechtsrahmen.
Produktauswahl im Supermarkt
Foto: Gina Sanders / Fotolia.com

Bei einem bundesweiten Marktcheck für Eier, Milch- und Fleischwaren sowie Obst und Gemüse wollten die Verbraucherzentralen wissen, ob Informationen wie „regional“ oder „aus der Region“ eine echte Einkaufshilfe oder eher ein Verwechslungsspiel sind . Daher haben wir bundesweit 121 Produkte in Supermärkten, Discountern und Reformhäusern stichprobenartig gezogen, davon 63 mit Regionalfenstern und 58 mit sonstiger regionaler Werbung.

Das Ergebnis: Regionale Werbung ist oft unspezifisch oder im schlimmsten Fall sogar irreführend. Lebensmittel mit dem blau-weißen Regionalfenster auf der Verpackung, einem freiwilligen Kennzeichnungsfeld mit einheitlichen Angaben, bieten eine gute Orientierung beim Einkauf. Allerdings sind sie noch nicht in allen Supermärkten zu finden.


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Regionales Fenster

Das Regionalfenster gibt Auskunft über die Region, den Verarbeitungsort, den Anteil der verwendeten regionalen Zutaten und die Kontrollstelle. Ein genauerer Blick auf das Label ist dennoch notwendig, denn Produkte mit Regionalfenstern können deutschlandweit vermarktet werden.

Auch der Anteil regionaler Zutaten in Mischprodukten wie Wurstwaren schwankt stark, er muss mindestens 51 Prozent betragen. Bei Sülzfleischwurst beispielsweise fanden wir in der Stichprobe nur die Hälfte der regionalen Zutaten, bei Bratwürsten 94 Prozent.

Es unterscheidet sich auch darin, wie viel Regionalität Verbraucher tatsächlich für ihr Geld bekommen. Teilweise werden mehrere Bundesländer, zum Beispiel Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, zu einer Region zusammengefasst, dies wird aber im Regionalfenster deutlich angezeigt. Allerdings erfüllen nach Ansicht der Verbraucherzentralen weder große Regionen die Erwartungen der meisten Verbraucher an ein regionales Produkt noch lange Transportwege, wenn Produktions- und Verpackungsstandort weit auseinander liegen.

Sonstige regionale Werbung

„Das Beste von hier“, „Gutes von zu Hause“ oder „in der Nähe“ sind typische Beispiele für regionale Werbung auf Produkten, Flyern oder im Regal. Solche Informationen sind unspezifisch und oft unverständlich. Dahinter verbergen sich teilweise erhebliche Entfernungen und meist eine unklare Herkunft der Rohstoffe.

Wir fanden zum Beispiel Wurst mit der Angabe „aus maximal 30 Kilometer Umkreis“, die aber in einer 130 Kilometer entfernten Fleischfabrik hergestellt wird. Die Herkunft der Rohstoffe bleibt unklar. Auch Obst und Gemüse werden als „regional“ beworben, wobei nur die obligatorische Herkunftsangabe „Deutschland“ zu finden ist.

Bei unspezifischer Regionalwerbung bleibt oft unklar, ob die Rohstoffe nur im Gebiet verarbeitet werden und wie die „Region“ definiert wird. Manchmal ist nur der Firmensitz oder das Rezept regional, während die Zutaten weit reisen mussten. Dies ist für Kunden irreführend.

Aus Sicht der Verbraucherzentralen reichen die bisherigen gesetzlichen Regelungen nicht aus, um einen transparenten Einkauf regionaler Produkte zu ermöglichen und Verbraucher vor irreführender Werbung zu schützen. Das regionale Fenster ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Wir fordern: Lieferanten und Lebensmitteleinzelhändler müssen unbedingt auf falsche, nicht überprüfbare und unklare Regionalangaben ohne nachvollziehbare Kriterien verzichten. Die Verbraucherzentralen erwarten bessere gesetzliche Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene sowie neutrale Kontrollen und Sanktionen, um der dubiosen Werbeflut Einhalt zu gebieten. Es wäre ein erster Schritt, wenn Werbung mit Regionalität Produkten vorbehalten wäre, die anhand regionaler Schaufenster eindeutig über die Region, die Herkunft der Zutaten und den Ort der Verarbeitung informieren. Genau dies widerspricht jedoch dem derzeitigen Rechtsrahmen.

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