Ärger um Kündigung – so setzen Sie Ihre Rechte beim Fitnessstudio durch

Wegen der Corona-Krise haben viele Fitnessstudios ihre Verträge verlängert. Betroffene beschweren sich bei uns, weil ihre fristgerechte Kündigung nicht akzeptiert wird – manche sollen sogar für ein paar Monate extra zahlen. Diesen Ansatz müssen Sie nicht akzeptieren.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ordentliche Kündigungen sind auch in Corona-Zeiten weiterhin möglich. Unserer Meinung nach dürfen die Studios die Verträge für die Zeit der Schließung nicht einseitig verlängern.
  • Wer kann, sollte in der Krise gegenüber bedürftigen Anbietern nicht kleinlich agieren und überlegen, ob das Angebot einer kostenlosen Vertragsverlängerung nach Möglichkeit angenommen werden kann. Den Kunden sollte jedoch nicht alles geboten werden.
  • Während einer Schließung haben Studios keinen Anspruch auf Mitgliedsbeiträge, entschied das Landgericht Hamburg.

Ein Vertrag ist ein Vertrag – dieses alte Prinzip gilt auch in Zeiten von Corona. Aber auch Freizeitsportler melden sich immer wieder bei den Verbraucherzentralen, weil sie Vertragsprobleme mit ihrem Fitnessstudio haben. In mehreren Fällen während der Corona-Pandemie hatten die Mitglieder ihre laufenden Verträge fristgerecht zum jeweiligen Vertragsende gekündigt. Allerdings bestätigten die Studios dann die Kündigung zu einem viel späteren Zeitpunkt.

Das ist aus unserer Sicht nicht in Ordnung. Die im Vertrag angegebene Laufzeit gilt aus unserer Sicht auch dann, wenn das Fitnessstudio aufgrund der Corona-Pandemie vorübergehend schließen musste.

Was ist bei einer ordentlichen Kündigung wichtig

Es ist wichtig, dass Ihre Kündigung pünktlich im Studio angekommen. Das bedeutet, dass Sie die im Vertrag vereinbarte Kündigungsfrist einhalten müssen. Auch der Eingang der Kündigung soll nachweisbar sein. Dies kann beispielsweise durch Zusendung per Post als Einschreiben mit Rückschein oder per Fax mit qualifiziertem Zustellprotokoll erfolgen. Kommt es später zu Streitigkeiten über die fristgerechte Kündigung, helfen diese Unterlagen beim Nachweis.

Ab dem Zeitpunkt, zu dem die fristgerechte Kündigung gilt, sollten Sie in jedem Fall die Zahlungen einstellen oder die Lastschrift widerrufen. Wenn Sie per Lastschrift zahlen, können Sie dem Fitnessstudio nicht nur kündigen, sondern sollten ihm auch schriftlich mitteilen, dass Sie die Einzugsermächtigung widerrufen. Sollte das Fitnessstudio weiterhin unrechtmäßige Beträge verbuchen, können diese dann über die eigene Bank zurückgeholt werden.

Keine Beiträge während der Schließzeit

Das Landgericht Hamburg entschied am 11. Juni 2021 (Art.-Nr. 9 C 95/21) bestätigt, dass Mitglieder keine Gebühren zahlen müssen, wenn ihr Fitnessstudio aufgrund behördlicher Auflagen geschlossen ist. Ein Hamburger, der wegen des Lockdowns seine Beiträge nicht bezahlt hatte, hatte geklagt. Der Studiobetreiber hatte bei einem Inkassounternehmen gegen das Mitglied vorgegangen – rechtswidrig, wie das Landgericht urteilte.

Sind die Gebühren jedoch bereits bezahlt und beim Studio eingegangen, kann das sogenannte Gutscheingesetz zur Anwendung kommen. Demnach muss das Studio die Beiträge nicht sofort zurückzahlen, sondern kann einen Gutschein ausstellen.

Einseitige Verlängerung der Vertragslaufzeit ist umstritten

Verlängert das Fitnessstudio die Vertragslaufzeit bis zur Schließung des Studios einseitig, ist dies aus unserer Sicht nicht zulässig. Wir glauben, dass eine solche Verlängerung nur mit Zustimmung des Verbrauchers möglich ist.

Was Betroffene aber auch wissen sollten: In jüngster Zeit sind einige erstinstanzliche Urteile ergangen, in denen entschieden wurde, dass die Unternehmen auch einseitig – ohne Zustimmung der Kunden – die Verträge bis zum Zeitpunkt der Schließung verlängern können. Es wird argumentiert, dass eine Vertragsanpassung vorgenommen werden muss und das Studio daher die Vertragslaufzeit bis zum Zeitpunkt der Schließung verlängern kann. Dies ist aus unserer Sicht nicht möglich. Die Bestimmungen, die zu einer solchen Vertragsanpassung führen könnten, sind in diesen Fällen nicht allgemein anwendbar. So sieht es das auch aus Amtsgericht Osnabrück. Mit Urteil vom 9. Juli 2021 (Az. 2 S 35/21) hat entschieden, dass das Fitnessstudio die Corona-bedingten Schließzeiten nicht einfach kostenlos auf die Vertragslaufzeit addieren kann. Es bestätigte damit die Ansicht der Vorinstanz. Hier hatte das Amtsgericht Papenburg argumentierte ähnlich am 18.12.2020 und lehnte eine einseitige Vertragsverlängerung ab (Az. 3 C 337/20).

Die Zivilkammer der Amtsgericht Würzburg in ihrer Entscheidung vom 24.08.2021 (Art.-Nr. 11 O 684/21 UWG). Auch hier sprechen sich die Richter gegen eine einseitige Vertragsverlängerung zugunsten des Fitnessstudios aus. Die beiden Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Eine höchstrichterliche Entscheidung zu dieser Frage ist noch nicht gefallen. Wenn Sie es also in dieser Frage zu einem Gerichtsverfahren kommen lassen, können Sie mit guten Gründen argumentieren und sich auf diese Urteile berufen, geht aktuell noch ein gewisses Risiko ein.

Generell gilt, wenn Ihr Studio eine kostenlose Vertragsverlängerung für die Corona-Monate anbietet, können Sie solche Lösungen durchaus akzeptieren, wenn dies möglich und für Sie sinnvoll ist.

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